Ein Stapel hauchdünner, einlagiger Servietten wird durch kreisförmige Klopfbewegungen geschickt aufgefächert, so dass sich gewissermaßen eine Schraubenform ergibt. Dieses geschraubte, filigrane etwas, wird nun mittig, aber leicht versetzt, gefaltet, so dass sich zwei gegenüberliegende hervorstehende Ecken ergeben. Dieses kleine Kunstwerk wird nun vorsichtig in einen Serviettenhalter eingelassen. Die sich gegenüberliegenden, verschraubten, vorstehenden Ecken flattern nun aus. Dem nichtsahnenden Touristen bietet sich der Anblick einer weißen, zarten Kunstmasse. Greift man nun auf gut Glück in dieses Gebilde, um sich einer Serviette zu bemächtigen, greift der Falz-Mechanismus. Es ist naturgemäß sehr unwahrscheinlich, dass man die oberste, bzw. innerste Serviette erwischt. Normalerweise reißt man nichtsahnend den halben Stapel heraus, dessen Einzelteile anklagend zu Boden segeln und den düpierten Touristen entlarven. Nein, die hohe Schule ist, vorsichtig mit dem kleinen Finger in die Falz zu fahren und so die innerste Serviette zu erfühlen. Dann fährt man vorsichtig den Finger nach außen, bzw. oben, bis man sehen kann, welche im leichten Luftzug herumwehende Serviettenecke die äußerste, die gewünschte ist. Nun greife man beherzt zu. Bon appetit!
April 2, 2009
Die hohe Kunst, sich polnischer Servietten zu bedienen
Posted by grafr under Ästhetisierung des Alltagslebens[2] Comments
April 28, 2009 at 9:48 pm
…geraubte, filigrane Etwas wird nun …
- wat mott, datt mott
Mai 9, 2009 at 8:25 pm
geschraubte, nicht geraubte!
wenn schon berichtigen, dann bitte richtig!
- denn wat mott, datt mott.