Das kolossale Großreich der Universität gliedert sich in viele kleine Fürstentümer und regionale Hoheiten. Vor einiger Zeit hatte ich einen Antrag an das Rektorat gestellt, mit der Bitte für eine Exkursion den Fahrdienst der Uni benutzen zu dürfen. Mit einer Menge Stempel, Unterschriften und handgeschriebener Kommentare kam dieser Antrag einige Monate später genehmigt zurück – im Falle der Verfügbarkeit eines Wagens.
Es vergingen nun noch einige Tage, bis ich an Herrn A. von den “Garagen”, also dem Fuhrpark der Uni, verwiesen wurde. Mit meinem kaiserlichen Dekret (dem Antrag) betrat ich das klotzige Gebäude der Fakultät für Chemie. Weiter wurde ich eine Treppe hinab in einen schmutzigen Hof verwiesen. Die Garagen! In einem kleinen Büro sitzt Fürst A., ein untersetzter, glatzköpfiger Herr um die fünfzig.
Ich reiche ihm den genehmigten Antrag. Er liest ihn durch und runzelt die Stirn. Hm. Das sei sehr problematisch. Darauf hatte ich mich bereits eingestellt. Aber Probleme sind in Rumänien zum lösen da: “o sa resolvam!” Also nehme ich erst einmal Platz. Ja, sehr problematisch, wiederholt A. Ich mache ein trauriges Gesicht. Es sei gar nichts verfügbar, erklärt A. Nach einer Schweigeminute erinnere ich ihn daran, dass er meiner Kollegin am Tag zuvor am Telefon gesagt habe, für die Rückfahrt sei der Fahrdienst wohl verfügbar. Er blättert in seinen Unterlagen. Ja, die Rückfahrt könne man einrichten. Einhundert Prozent. Aber die Hinfahrt! Problematisch! Ich schaue besorgt. Er liest den Antrag zum dritten Mal durch. Ja, problematisch. Das sei schade sage ich. Gerade für die Hinfahrt sei der Fahrdienst nämlich entscheidend, da es keinen passenden Zug gebe. Fürst A. seufzt schwer. Eine Weile schweigen wir traurig. Dann greift er zu seinem Telefon und spricht eine Minute, ich verstehe nicht genau worum es geht. Er legt auf und schüttelt den Kopf. Dann ruft er jemanden, der scheinbar zufällig auf dem Hof vorübergeht. Ein hagerer Mann in Lederjacke, Typ Busfahrer, tritt ein. Ob er morgen früh nach S. fahren könne, fragt A. Der Mann schaut besorgt und wiegt den Kopf. Ja, sagt er.
Resolvat.
Juli 21, 2009 at 6:51 pm
Lieber Graf Cremond,
jetzt, wo dein Blog ungültig geworden ist und du in Dings an der Bemme oder so wohnst, kannst du ja mal öfter bei uns einschneien. Zumal wir jetzt eine von diesen tollen Nespresso-Maschinen haben. Denk nur an all die Kapseln, die wir verschiessen könnten!
Tim